Zukleistern ist keine Headline-Lösung!
- Reiner Makowsky

- 5. Jan. 2024
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 24 Minuten

Echte Zugänglichkeit wird immer seltener. Das wissen Marketer und Werbeagenturen wie Verlage und Sender. Besonders austauschbare Headlines bereiten die Probleme. Mit ihnen erweist man sich eher selten als glaubwürdig. Der Content wirkt schnell inhaltsleer und bietet den Lesern keine echte Identifikationsfläche an.
Im Content-Marketing ist es jedoch gang und gäbe, mit ein paar austauschbaren Textschnipseln und einer Flasche Headline-Kleber bewaffnet, auf die Leser loszugehen. Wobei auf den Kleberfläschchen Sortennamen wie useful, urgent, unique oder ultra-specific noch eine Präzision und Haftung versprechen, die in der Regel aber nicht auf die Köpfe der Leser zugeschnitten sind. Vielleicht weißt du bereits um jene geheimen Textschnipsel des Erfolges.
Texter und Konzepter wollen nicht, dass du sie kennst:
7 Regeln, die …
Insider-Tipps ...
Das passiert, wenn du ...
10 effektive Wege …
Unsere erfolgserprobten ...
Willst du es endlich schaffen ...
Wir verraten dir ...
5 Schritte zu ...
Die 3 wichtigsten ...
12 bewährte Methoden für ...
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Das Geheimnis erfolgreicher ...
Aus gutem Grund, denn mit dem Schnipsel-Trick verkaufst du nur eines erfolgreich: dich und deine Leser unter ihrem Wert oder für gaga. Es ist die Sprache der Content-Marktschreier und Absatz-Psychologen, die nicht gerade zu jeder Markenzielgruppe passen will. Ein sonst definierter Auftritt wird dadurch unauthentisch und leicht billig wirken. Der platte Slang des Schwarms macht deine Inhalte nicht gerade plastisch. Schlecht (in Worte) gekleidet, würde man auf offener Straße sagen. Von kommunizierten Mehrwerten brauchen wir gar nicht erst sprechen, ganz im Gegenteil. Je abgedroschener die Headline-Phrase daherkommt, desto wahrscheinlicher wird es auch, an den relevanten Leser vorbeizuschreiben. Wer lässt sich schon gern zukleistern?
Mein Vorschlag: Bewerte deine Headlines und zwar nach den Mottos 1–6:
Bitte nicht zukleistern!
Na gut – nur was sind die Alternativen? Leider ist das Problem mit dem Zukleistern und Vorbeischreiben allgegenwärtig und leistet sich viele Varianten. Markenredakteurinnen, mit denen ich in Agenturen zusammenarbeitete, hielten es im Gegenzug für eine gute Idee, sich bei der redaktionellen Arbeit hauptsächlich am Handwerk der Textkolleginnen aus den PR-Redaktionen oder am Journalismus zu orientieren. Dieser stilistische Rundumschlag soll dann etwas professioneller oder sogar objektiver klingen. Um die Leser in Artikel zu ziehen, schreibt man prägnanter, konzentriert sich auf „die Fakten“. Man nutzt typische Schlag- oder Triggerwörter oder trickst mit Frageaussagen. Wenn dann im Ergebnis sowohl Der Standard, Dr. Böhm als auch vly Foods auf dieselbe Art und Weise Headlines über Vitamin D schreiben, ist etwas grundsätzlich falsch gelaufen.
Vitamin „wichtig“ und sein Mehrwert – die totale Austauschbarkeit:
Warum VITAMIN D so wichtig für unseren Körper ist | Dr. Böhm
Vitamin D ist im ersten Schwangerschaftsdrittel besonders wichtig | Aponet.de
VITAMIN D: WOFÜR IST ES WICHTIG? | Feelgood Shop
Warum Vitamin D wichtig ist | Der Standard
Vitamin D: Wirkung und Funktion des wichtigen Hormons | Augsburger Allgemeine
Vitamin D: Warum ist es so wichtig? | vly Foods
Wichtig anzumerken wäre noch, dass die Blogleser von vly doch einen ganz anderen Zugang zu den Vitamin-D-Themen haben dürften – einen anderen, als die Blogleser von Dr. Böhm oder die Leser von Der Standard und web.de. Doch dieser feine Unterschied wird nicht nur von vielen Marketingabteilungen oder ihren Content-Redaktionen übersehen. Mit dem Textkleister von der Marke „wichtig" wird vor nichts und niemandem haltgemacht. Auch nicht vor seinen großen Agenturkunden! Selbst nicht vor Kunden großer Medienmarken, die ja selten davor zurückschrecken, ihre Leser und Zuschauer entgegen allen Regeln der Kunst vollständig einzubalsamieren. Nur eben professioneller!
Doch diese bewunderte Professionalität führt im Ergebnis oft dazu, dass Content-Marketing wie langweiliger Journalismus klingt. Ein klassisches Kompatibilitätsproblem: Im Gegensatz zum Content-Marketing haben die Headlines von Verlagen und Sendern nämlich eine weitere, noch ganz andere Funktion, wenn sie beispielsweise in Newsfeeds auftauchen oder Links in Postings ankündigen. Diese geht über die Zweckdienlichkeit, Leseinteresse einzufangen, hinaus. Und sie spielt für dein Content-Marketing keine Rolle: Journalistisch für Medienmarken zu arbeiten bedeutet, in den Headlines auch Impulse zu setzen, Wirklichkeiten zu rekonstruieren. Wirklichkeit aus Fakten und Sichtweisen, die es zu thematisieren gilt und die zum Zweck der Meinungsbildung publiziert werden. Gut so.
Nur leider verliert diese hart umkämpfte Meinung schon jetzt regelmäßig den Kopf, wenn sie bereits ab den Headlines bei allen möglichen Textsorten buchstäblich vorgeklebt wird. Diese journalistischen Einstiege lassen wenig Raum für Mehrwerte und nicht einmal für Nachrichtenwerte offen. Schon gar nicht aus Sicht der Leser! Solche Headlines sprechen eher für Mehrwerte, welche sich aus den Sichtweisen der Leserschaft heraus für Autorinnen, Verlage sowie deren Stakeholder und Werbekundschaft herstellen lassen:
Warum es bei den Wirtschaftsweisen Streit gibt | Tagesschau, Mai 2024
Arzt empfiehlt: Deshalb sollten Sie öfter rückwärts gehen | Focus Online, April 2025
HARVARD-STUDIE: Warum es Kindern guttut, wenn die Mutter berufstätig ist | Brigitte, Mai, 2024
Ukraine-Soldat erklärt, warum er kein Erbarmen mit flehenden Russen hat | Merkur, Mai 2022
Muss Pistorius seinen Hut nehmen? Deswegen wackelt sein Stuhl als Verteidigungsminister | Der Westen, April 2025
Warum jetzt auch die Landwirtschaft in Frankreich demonstriert | Frankfurter Rundschau, Januar 2024
Noch bevor die Meinung sich überhaupt zu Wort melden kann, lassen sich mit Frageaussagen im Stil von „wieso, weshalb, warum” Erwartungen an Kausalitäten und deren Ursachen fixieren. Das ist zwar ein wenig tölpelhaft, sollte aber für das Content-Marketing nicht ganz uninspiriert wirken. Wer Gründe hat, dem lassen die Leute nicht nur vieles durchgehen, sie kaufen ihm auch einiges ab. Doch davon mal abgesehen unterscheidet sich Content-Marketing für Unternehmensmarken auch am redaktionellen Anspruch vom Journalismus, welcher ein anderer ist. Auf den kommen wir gleich nochmal zurück!
Wir sollten in den Headlines jedenfalls nicht vorgeben, etwas einzuordnen oder schreiben „was ist“, sondern darüber etwas aussagen, was sein kann oder sein soll. Alternativ kann man auch sagen, was nicht mehr sein muss oder sein soll. Aus typischen Frageaussagen, denen wir vor dem Schreiben eines Artikels nachgehen, werden jedenfalls keine überzeugenden Formulierungen für eine Headline geboren:
Wie die Kunden ihre Produktivität steigern können.
Warum die meisten Kunden diesen einen entscheidenden Fehler machen.
Wieso die Kunden in diesem Jahr Folgendes nicht tun sollten.
Weshalb es wichtig ist, sich frühzeitig zu informieren.
Weswegen unsere Marke dieses oder jenes getan hat.
Es geht in den Headlines weniger darum, was deiner Ansicht nach in einem Beitrag drinsteckt (was ist). Das ist austauschbar – sondern um das, was für die Leser womöglich „drin ist“. Neugierig wollen wir sie machen, also muss es für sie auch einzigartig wirken, nach Unique Content klingen und nicht nach Texten mit logischen Widerhaken aussehen. Denn die Headline macht genau das einzigartig, was sich deine Leser vom Inhalt versprechen, ihre Erwartungen. Ein Anspruch, mit dem du dich in bester Marketing-Gesellschaft wähnen darfst: Headlines, so wie es sein soll!
Coca-Cola Zero hat diese immer noch gültige Prämisse einst in einen Kampagnenslogan gegossen.
So, wie es sein soll! [Q0]
Mit diesem einfachen Mantra versteht sich der Stellenwert von Kreativität im Content-Marketing von selbst: Was sein soll oder sein kann, ist in den Headlines immer eine kreative Idee und die Heranführung an eine bessere Option für deine Leser. Eine Alternative, wobei man alternativ auch sagen kann, was nicht (mehr) sein muss oder sein soll. Halte dich an diese Prämisse, wenn du die Kreativität und Originalität von Content-Marketing-Headlines Pi mal Daumen beurteilst: Was sein kann oder nicht (mehr) sein soll oder sein muss – wie originell klingt das?
Damit hast du für deine Content-Marketing-Redaktion einen eigenen, leicht anwendbaren Qualitätsstandard bei der Hand. Zumal das Bemühen um die Einhaltung journalistischer Standards den deutschen Journalismus ja nicht davon abgehalten hat, sich in eine handfeste Glaubwürdigkeitskrise zu manövrieren. Dorthin sollten wir ihm mit unseren Headlines lieber nicht folgen. Sie ist im Kern eine Qualitätskrise und somit eine Sinnkrise, welche nicht die unsere ist.
Sie zeugt, weit über den Beginn der letzten 6 Dauerkrisenjahre hinaus, von immer weniger Zeit und wirklichem Interesse für das, „was ist“. Stattdessen lesen wir zunehmend von dem, was sein könnte oder was sein sollte. Ähnlich – und „offenbar“ anders umgesetzt, als es für Headlines im Content-Marketing zu empfehlen wäre.
Diese Ähnlichkeiten sollten uns nicht als Orientierung dienen. Der Journalismus hält für das Content-Marketing nämlich noch weitere schlechte Ideale bereit.
Versuch es nicht richtig!
Viel zu oft geht es in den Headlines von Verlagen und Sendern nur noch um „das Richtige“. Dieses Richtige tritt in unterschiedlicher Qualitätsausprägung in Erscheinung und liest sich sehr eigentümlich. Seine Fragetechniken kommen oft fordernd wie formend daher und zielen auf eine Art Wahrheitsgläubigkeit bei den Lesern ab. Eine passive, die sie der Marketing-Kommunikation oder Influencern vernünftigerweise nicht so einfach entgegenbringen. Zulasten derer ihnen aber Fakten präsentiert werden, welche oft nur ein Antwortvakuum füllen, welches ihnen die schwammige Nörgelei in deren Headlines erst eingebracht hat:
Ist grüner Tee wirklich so gesund? SWR | kein Datum
War es klug, so früh auf eine Impfpflicht zu verzichten? ARD Report Mainz | November 2021
Sollte es ein Böllerverbot geben? SWR | Dezember 2023
Ist man ein schlechter Mensch, wenn man heimlich über eine rote Ampel geht? Süddeutsche | Mai 2024
Wäsche waschen: Wie oft sollte man seinen Schlafanzug wechseln? Merkur | Mai 2024
Werden die Jungen durch die Rentenreform der Ampel veräppelt? Watson | April 2024
Es könnte ja sein, dass ich total desinformiert meinen grünen Tee trinke.
Relevanz geht anders. Und im Grunde verkündet die ganze Infragestell- und Umerklärerei im Namen der Richtigkeit nur immerzu dieselbe langweilige Markenbotschaft in den Headlines der Verlage und Sender: Wir wissen’s halt besser – klar, oder? Nicht so wirklich sympathisch.
Viel nützlicher wäre es doch, deinen Lesern und Kunden zu zeigen, was sein kann und nicht, was „das Richtige“ ist. Damit kann man sich schnell unbeliebt machen. Und seine Mission verliert man dummerweise dadurch auch aus den Augen.
Verrenn dich nicht!
Wie problematisch diese Fixierung auf „das Richtige“ werden kann, von dieser entgleisten Richtlinienkompetenz im Journalismus sollte sich Content-Marketing besser abschrecken lassen. Bewiesen hat es der deutsche Journalismus leider schon 2015 – stellvertretend durch die „Journalistin des Jahres“. Schon damals sah man sich nicht mehr in der Lage, der Welt richtigerweise zu sagen, was ist – stattdessen fragte man sich, was das Richtige sei. Anja Reschke (NDR):
„Tja, sagen was ist. Was ist denn jetzt? Was sag ich denn jetzt? Was ist das Richtige?“ ÜBERMEDIEN | Februar 2016: Journalistin des Jahres Aber was heißt denn das: „Sagen, was ist“ [Q1]
Solche Reflexionen können wir uns bei unseren Lesern und Kunden eher nicht leisten: Die Redakteure rätseln heute wie damals darüber, wie der Auftrag des Journalismus zu verstehen sei, als ob es da um Kunst ginge. Content-Marketer hingegen müssen sehr genau wissen, dass das Richtige niemals wesentlicher sein wird als das, „was ist“. Dies sind in der Regel herausfordernde Situationen oder Probleme, vor denen unsere Leser und Kundinnen stehen. „Das Richtige“ hingegen wird immer eine selektive Auffassung sein, ein rein kognitives Werturteil von dem „was ist“. Und das kann aus unserer Sicht gar nicht richtig sein, weil wir so bei den Lesern nicht weiterkommen.
Wenn das angeblich Richtige rein gar nichts oder sogar noch das Gegenteil bei den Lesern bewirkt, es aber in der Redaktion weiterhin den Ton angibt, dann regiert die falsche Effektivität. Diese führt nicht nur NDR-Journalistinnen schnurstracks in einen merkwürdigen Beziehungsirrtum mit ihren Zuschauern – wenn sie so gerne über ‚das Richtige‘ berichten wollen. Sondern in jene Art von Irrtümern, in die auch wir unsere Leserschaften aufgrund eines vermeintlich identifizierten Informationsbedarfs niemals stürzen dürfen:
„Aber es ist ein bisschen wie mit Kindern: Wenn das Kind sagt: ‚Uh, da ist ein Monster unterm Bett‘, und man sagt: ‚Nee, ich hab nachgeguckt, da ist kein Monster‘ – es hilft nichts. Angst lässt sich nicht so leicht wegwischen“ ÜBERMEDIEN | Februar 2016: Journalistin des Jahres Aber was heißt denn das: „Sagen, was ist“ [Q1]
Fraglich, ob das wohl „richtig" ist – so ein Zuschauervergleich mit Kindern?
Da fragt man sich doch eher, weshalb eine redaktionelle Positionierung mit bevormundenden Gleichnissen und moralischen Prinzipien frisiert werden musste? All solches, und warum sogar Fakten ähnlich gerahmt werden sollten, kann jeder im eigens von der Rundfunkanstalt in Auftrag gegebenen Framing-Manual nachlesen. Es ist nämlich so, dass der redaktionellen Positionierung der Anstalt nicht nur Kinder zustimmen müssten, sondern alle auf richtige Weise den „Mehrwert der ARD begreifen“ sollten. [Q3]
Wichtiger als sich richtig zu finden, ist beim Content-Marketing jedoch der Anspruch, überhaupt richtigzuliegen. Sonst wäre bei den Headlines bereits eine Chance vertan, den wirklichen Informationsbedarf hinter den Ängsten der Leser oder Zuschauer als greifbares Mehrwertpotenzial anzusprechen. Insbesondere dann, wenn es auch noch richtig scheint, sich an ihren Ängsten zu bedienen, um sie in Anbetracht des eigenen Scheiterns zu infantilisieren.
Zudem hat das Unterschätzen der eigenen Leser und Zuschauer seinen berechtigten Preis. Denn die „Kinder der ARD“ meinen, gar nicht mehr so verwandt mit ihrer buckeligen Senderfamilie zu sein. Nur noch 44 Prozent sehen sich laut der sendereigenen Akzeptanzstudie von der Medienmarke repräsentiert. [vgl. Q3b]
In guter Absicht
Mag sein, dass es stilistisch gesehen viel Gehaltvolles, Schönes und Kreatives vom Verlagswesen abzuschauen gibt, seltener vom Rundfunk. Doch wenn es uns darum geht, Themen zu kommunizieren, muss die kreative Effektrichtung von Content-Marketing-Headlines andere Formen von Aufmerksamkeit erzeugen als bei journalistischen Produkten oder PR-Texten.
Wir berichten nicht, unseren redaktionellen Entscheidungen liegen eine ganze Reihe anderer strategischer Zielsetzungen zugrunde. Schwerpunktmäßig beabsichtigen wir ja, Inhalte mit Mehrwerten zu kommunizieren. Journalisten und Fachredakteure wollen in den Headlines eher den Nachrichten- oder Neuigkeitswert ihrer Inhalte darstellen und greifen dazu Aktualität, geografische oder emotionale Nähe oder Prominenz auf und kommunizieren „was ist“.
Sich also von journalistischen Redaktionen oder PR-Vorgaben bei den Headlines inspirieren zu lassen, ist für das Content-Marketing nicht wirklich sinnvoll. Kreativität erfüllt im Content-Marketing eine andere Funktion, die bei den Headlines weit über stilistische Vorgaben innerhalb von Medienhäusern und deren Redaktionslinien hinausgeht. Auch die Relevanz und der Wert einer Nachricht etwa werden anders erfasst und in der Headline ausformuliert, als es bei der Heranführung an Mehrwerte für Content-Marketing-Inhalte der Fall ist.
Sollten wir also zeigen, wie gut wir uns in der Welt auskennen, die richtigen Fragen stellen und Fakten voranstellen? Das Content-Marketing sollte im Grunde nicht einmal erklären, wie gut Produkte oder Dienstleistungen sind. Wir wissen, was gut ist. Und deshalb müssen die Headlines vorrangig an Mehrwerte heranführen, die implizieren, wie gut unsere Leser sein können. Mit Headlines, die ihre Relevanz aus Themenfeldern ziehen, in denen sich ihr Bedarf immer wieder abspielt.
Wie brauchbar diese mehrwertigen Inhalte dann ankommen, hängt vergleichsweise davon ab, wie du den Nutzen von Textinhalten an sich einschätzt.
Wie kreativ lässt du diesen Nutzen ausformulieren?
Säe Nutzen – ernte Nutzen!
Was versprechen wir uns überhaupt von Texten, wenn wir sie lesen wollen? Wir müssen etwas im Sinn haben, wenn wir uns ihnen zuwenden, nicht wahr? Es kann nicht schaden, sich hier ein wenig auszukennen, um die Qualität von Headlines besser einzuschätzen, bevor du sie freigibst. Wenn du weißt, was sein kann, halte dich am besten an vier einfache – meist aber unbewusste – Absichten. Diese beschreiben immer die gleichen Zweckdienlichkeiten von Texten. Wir wollen nämlich immer nur dasselbe, wenn wir lesen – sei es ein Roman, eine Webseite oder eine Weihnachtskarte: [Q4]
1. Reaktionen (z. B. Emotion, Motivation, Unterhaltung, Anerkennung, Ablenkung, Interaktion …)
2. Lerneffekte (z. B. Wissen, Fantasie, Fähigkeit, Meinung, Präferenzen, Orientierung, Reflexion …)
3. Verhaltensänderungen (z. B. Optimierung, Imitation, Kommunikation, Handlung, Transformation …)
4. Ergebnisse (z. B. Erfolg, neue Perspektiven, Zufriedenheit, Wertschätzung, Zahlen, Status, Gewinn, Beweise …)
Nur was wollen deine Leser?
Nehmen wir mal an, sie würden bei einem „relevanten Mehrwert“ zugreifen, also klicken. Damit dieser für sie relevant wirkt, muss eine der erwähnten Absichten in der Headline kommuniziert werden. Die Zweckdienlichkeit einer Reaktion, etwa Humor oder Unterhaltung, wird aber nicht an der Reaktion selbst ablesbar. Sie wird aber eine Ebene höher im Lerneffekt (z. B. Meinung, Präferenzen, Reflexion) greifbar. Wir lernen durch die Reaktionen etwas, z. B. bei Schmerz oder Freude. Und Humor, um bei dem Beispiel zu bleiben, dient im Content-Marketing nicht dem Selbstzweck einer Reaktion. Es sei denn, du hast vielleicht vor, dich als Alleinunterhalter mit deinen Inhalten zu positionieren.
Wahrscheinlich nicht, also nimm deine Leser einfach mit. Ein Beispiel – es ist nicht schwer: In der ursprünglichen Headline geht es um einen Lerneffekt, der sehr phrasenhaft formuliert und noch dazu als Spoiler daherkommt: „6 kreative Ideen, Schnürsenkel zu binden – mit Anleitung“ ← was ist oder was steckt drin – besser wäre: ↓

Die Verhaltensänderung „Blicke verwickeln mit 6 kreativen Schnürsenkel-Ideen!“ wird hier über ein doppeldeutiges Ergebnis (neue Bindung?) viel greifbarer. Nämlich als ein indirektes Versprechen, welches etwas in Aussicht stellt: Kommunikation, Flirt, Signalisierung – eine neue Beziehung? Zugegeben, mit der Headline „6 kreative Ideen, Schnürsenkel zu binden – mit Anleitung“ können alle, die nur im entferntesten Sinne mit Schuhen oder Outfits zu tun haben, ein klein wenig kreativ tun.
Das reicht aber nicht.
Die Mehrwert-Headline muss etwas transportieren: eine spezielle Erwartung deiner Leser an dich als Inhaltsexperte oder Marke ihrer Wahl. Wir nennen dies Conversion. Falls deine Headline diese nicht im Blick hat, einfach nur ziellos Gratis-Wissen verteilt, solltest du rebriefen. 80 % der Wirksamkeit eines Textes hängen in der Regel von der Headline ab. Das behauptete zumindest vor langer Zeit David Ogilvy (britisch-amerikanischer Werbegott, † 1999). Was nun wirksam im Content-Marketing bedeutet, kannst du aus meiner folgenden Tabelle bei den erwartbaren Key Results entnehmen. Headline-Effekte!

Überprüfe mal, ob du mit der Übersetzung deiner Inhalte in Kommunikation richtig liegen wirst. Generell sollten wir uns beim Texten der Headline an der Zwischenebene orientieren. Das bedeutet, dass diese Headline automatisch immer das kommunizieren wird, was sein kann oder sein soll oder nicht mehr sein muss oder sein soll. Wird der Content-Mehrwert im Spannungsfeld von Lerneffekt und Ergebnis plausibel, müssen wir in der Headline beispielsweise eine Verhaltensänderung kommunizieren.
Versuchst du an dieser Stelle hingegen, deine Leser mit (indirekten) Frageaussagen zu mobilisieren, greifst du lediglich zur Headlinephrase. Du kannst die Leser weder einzigartig noch effizient an den Mehrwert des Inhalts heranführen. Du beziehst dich inhaltlich ja nur auf das, woraus sich der Mehrwert eigentlich ergeben sollte. Das klingt zumindest (folge)richtig. Aber das, was deine Inhalte an Informationen hergeben, ist nicht dasselbe wie das, was an Potenzial in deinen Beiträgen steckt. Über Letzteres werden deine Leser ansprechbar, probiere es aus. Lade jetzt kostenlos die vollständige Tabelle „Headline-Effekte“:
Und bedenke: Falls deine Marke oder dein Business zu einer der folgenden Branchen gehört – je innovativer, desto besser – lohnt es sich, mehr über individuelle und kreative Textgestaltung zu erfahren:
Technologie
Mode und Accessoires
Kultur, Unterhaltung, Event
Kunst, Design und Handwerk
Lebensmittel, Kulinarik, Nahrungsergänzung
Bist du dabei?
Hinweis zur gendergerechten Sprache
In diesem Artikel wird das generische Maskulinum verwendet. Da die Redaktion selbst divers aufgestellt ist, wird an dieser Stelle unterstrichen, dass alle (sozialen) Geschlechter adressiert sind. Aus formalästhetischen Gründen ist es weder zweckdienlich alle Personenbezeichnungen noch einige ausgesuchte zu gendern. Eine perfekte Lösung gibt es derzeit leider nicht. In dem zeitnah erscheinenden Artikel „die unperfekte Ästhetik des Genderns“ reflektiert die donnerhacks-Redaktion den Genderdiskurs und gibt interessante Denkanstöße.
Quellen
[Q0] Horizont-Redaktion, 2009: „Coke Zero spielt den Retter in der Not“ HORIZONT - Plattform für Marketing, Werbung, Medien & Agenturen, abgerufen am 22. Februar 2024 (https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/-Coke-Zero-spielt-den-Retter-in-der-Not-82861).
[Q1] Jens Peter Paul , 2023: „Sprache der Qualitätsmedien - Der Offenbarungseid Cicero Online, abgerufen am 4. Mai 2024 (https://www.cicero.de/kultur/journalismus-medien-offentlichrechtlichesfernsehen-tagesschau).
[Q2] Anja Reschke, 2016: „Aber was heißt denn das: ‚Sagen, was ist‘?“ Übermedien, abgerufen am 22. Februar 2024
(https://uebermedien.de/1995/aber-heisst-denn-das-sagen-ist/).
[Q3] vgl. Berkley International Framing Institut. (k. J): „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“, Seite 3.
netzpolitik.org, abgerufen am 5. August 2024
(https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/02/framing_gutachten_ard.pdf).
[Q3b] KOM Redaktion, 2025: „Nur 44 Prozent fühlen sich von der ARD repräsentiert - Medienanalyse | KOM - Magazin für Kommunikation, abgerufen am 21. April 2025 (https://www.kom.de/medien/nur-44-prozent-fuehlen-sich-von-der-ard-repraesentiert/).
[Q4] angelehnt an das Kirkpatrick-Model von Kirk Patrick, 1959







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